Geschichte

Die Gründung des ‚Vereins für bayerische Kirchengeschichte‘ im Jahr 1924 war der Abschluss einer bereits 1881/83 einsetzenden Entwicklung.

1881 hielt der Kirchenhistoriker Prof. D. Dr. Theodor v. Kolde (1850-1913) – der Begründer der wissenschaftlichen Kirchengeschichtsforschung in Bayern – kurz nach seiner Berufung an die Universität Erlangen eine Vorlesungsreihe zur Landeskirchengeschichte. Sowohl im universitären Bereich als auch unter der Pfarrerschaft war die Aufmerksamkeit groß. Durch das im Lutherjahr 1883 weiter gestärkte historische Interesse unter den Geistlichen ermutigt strebte v. Kolde zusammen mit dem zeitweise ebenfalls in Erlangen lehrenden Albert Hauck (1845-1918) ein Publikationsorgan an, um die Arbeitsfelder und Ergebnisse der bayerischen Kirchengeschichtsforschung einem breiteren Leserkreis zugänglich zu machen. 1887 wurde  auf dem Missionsfest in Nürnberg positiv über das Vorhaben entschieden und noch im selben Jahr erschien der erste von leider nur drei Jahrgängen der ‚Blätter für bayerische Kirchengeschichte‘ unter der Redaktion des Schwabacher Pfarrers Volkmar Wirth (1854-1913).  Ab 1890 folgte eine Unterbrechung von vier Jahren.

1894 wurde v. Kolde für einen neuen, diesmal erfolgreicheren Versuch eines Periodikums unter dem etwas veränderten Titel ‚Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte‘ gewonnen. Auf wissenschaftlicher Grundlage sollte die neuerwachte Liebe zur eigenen Geschichte bei den Geistlichen und in den Gemeinden gestärkt und gefördert werden. Nach v. Koldes Tod 1913 übernahm sein Schüler und Lehrstuhlnachfolger  D. Hermann Jordan (1878-1923) die Schriftleitung. Im Reformationsjahr 1917 gründete er ergänzend die Reihe ‚Quellen und Forschungen zur bayerischen Kirchengeschichte‘.

Ebenfalls 1917 regte D. Dr. Karl Schornbaum –  der spätere Rother Dekan und nachmalige erste Direktor des Landeskirchlichen Archivs – erstmals an, nach dem Vorbild Württembergs einen ‚Verein für bayerische Kirchengeschichte‘ ins Leben zu rufen, der neben Theologen auch kirchenhistorisch interessierten Laien offenstehen sollte. Dieser Idee stand Jordan ablehnend gegenüber. Er befürchtete Schaden an der Qualität der wissenschaftlichen Arbeit durch die Mitgliedschaft von Laien und setzte sich mit dieser Ansicht gegen Schornbaum durch. 1922 übernahm der Erlanger Kirchenhistoriker Prof. D. Dr. Christian Bürckstümmer die Redaktion der ‚Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte‘ und führte die Schriftleitung trotz großer Schwierigkeiten in der Inflationszeit bis 1924 weiter. Sein Nachfolger in diesem Amt wurde Karl Schornbaum, dem es noch im selben Jahr zusammen mit Pfarrer D. Hermann Clauß gelang, seinen Plan von 1917 zu realisieren und den ‚Verein für bayerische Kirchengeschichte‘ zu gründen. Den Vorsitz im neuen Verein übernahm er selbst. Die erste Jahresversammlung fand im Juli 1925 in Rothenburg o. d. Tauber statt.  Ein Jahr später hatte der Verein bereits über 500 Mitglieder.

1925 wurde auf Anregung des Vereins in fruchtbarer Zusammenarbeit mit dem späteren Landesbischof D. Hans Meiser (1881-1956) eine Sammelstelle für landeskirchliches Schrifttum eingerichtet. Sie war die Keimzelle des 1930 gegründeten Landeskirchlichen Archivs in Nürnberg, zu dessen erstem Direktor Karl Schornbaum, berufen wurde. Sein fundiertes kirchenhistorisches Wissen – v. a. im Bereich der Reformationszeit und des Pietismus – und seine Verdienste um die bayerische Kirchengeschichte und den ‚Verein für bayerische Kirchengeschichte‘ wurde 1945 durch eine Honorarprofessur an der Universität Erlangen gewürdigt. Er behielt den Vorsitz im Verein bis zu seinem Tod 1953 bei. In den Jahren zwischen 1924 und 2004 war die Leitung des Archivs und der Vorsitz im ‚Verein für bayerische Kirchengeschichte‘ fast immer in Personalunion verbunden.

Um die Zeit der Gründung des ‚Vereins für bayerische Kirchengeschichte‘ entstanden auch andere regionale evangelische kirchengeschichtliche Vereine:

1920    in Würtemberg
1925    in der Pfalz
1928    in Baden
1929    in Thüringen

Auf katholischer Seite wurden  ‚Diözesangeschichtsvereine‘ gegründet:

1924    München-Freising
1925     Regensburg
1932    Würzburg

1926 erschien erstmals als Publikationsorgan des ‚Vereins für bayerische Kirchengeschichte‘ die ‚Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte‘ als Nachfolgerin der ‚Beiträge zur bayerische Kirchengeschichte‘. Unterbrochen in den Jahren 1943-1948 durch den zweiten Weltkrieg und seine Folgen liegt sie 2012 im 81. Jahrgang vor.
Daneben wird auch die 1917 von Jordan begründete Reihe ‚Quellen  und Forschungen zur bayerischen Kirchengeschichte‘ – seit 1925 unter dem Namen ‚Einzelarbeiten aus der Kirchengeschichte Bayerns‘ – fortgeführt. Die in dieser Reihe veröffentlichten Forschungsarbeiten umfassen alle Bereiche der bayerischen Kirchengeschichte. In wissenschaftlichem Austausch steht der Verein auch in der Mitverantwortung für die deutsche Territorialkirchengeschichte.

(I. K., März 2013)